Ausbildung zum Notfallseelsorgenden

Die jährliche Anzahl der Einsätze der ökumenischen Notfallseelsorge Trier-Saarburg wächst stetig. Daher ist das Team bemüht, kontinuierlich neue Mitglieder auszubilden. Diese intensive Ausbildung gliedert sich in mehrere Teile, die im Folgenden beschrieben werden.

  1. Basiskurs (4 Stunden): Der jährlich stattfindende Basiskurs richtet sich an Menschen, die sich für eine Mitarbeit in der Notfallseelsorge (NFS) interessieren. Er soll ihnen dabei helfen, sich ein fundiertes Bild davon zu machen, ob eine Mitarbeit für sie in Frage kommt. Zu diesem Zweck wird im Kurs die praktische Arbeit der Notfallseelsorge anhand zahlreicher Beispiele vorgestellt, die Erwartungen an Mitarbeitende erläutert und Fragen rund um die Notfallseelsorge ausführlich beantwortet. Insbesondere müssen neue Notfallseelsorgende u.a. mindestens 26 Jahre alt sein, Mitglied einer der Kirchen der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen sein, und ausreichende persönliche Reife bzw. Lebenserfahrung und psychische und physische Stabilität und Belastbarkeit besitzen.
  2. Auswahlgespräch mit dem Leitungsteam: Menschen, die sich nach dem Besuch des Basiskurses und einer ausführlichen Reflexion über ihre persönliche Bereitschaft zur Mitarbeit in der Notfallseelsorge weiterhin engagieren möchten, werden zu einem intensiven Gespräch mit dem Leitungsteam der NFS Trier-Saarburg eingeladen. In diesem Gespräch geht es unter anderem um die Motivation, mögliche psychische oder körperliche Faktoren, die einer Mitarbeit entgegenstehen könnten, äußere Rahmenbedingungen sowie weitere Aspekte, die vor einer Fortführung der Ausbildung geklärt werden müssen (insbesondere die Voraussetzungen zur Mitarbeit , die von der EKiR definiert sind).
  3. Theoretische Ausbildung zur NFS: Wenn nach den beiden zuvor beschriebenen Schritten beide Seiten zu der Überzeugung gelangen, dass eine weitere Zusammenarbeit sinnvoll ist, schließt sich ein umfassender theoretischer Ausbildungskurs an. Dieser Grundkurs wird jährlich von der Landespfarrerin für Notfallseelsorge der EKiR angeboten und umfasst insgesamt 120 Stunden, verteilt auf vier Wochenenden. Der Kurs bietet eine fundierte Ausbildung in der „Notfallseelsorge im Ehrenamt“ und ist als Grund- und Einstiegskurs für die seelsorgliche Arbeit in extremen Ausnahmesituationen konzipiert. Ziel ist es, die Teilnehmenden in ihrer Haltung sowie in einer angemessenen Gesprächsführung für notfallseelsorgliche Einsätze zu schulen. Vorgestellt wird das vielfältige Arbeitsfeld der Notfallseelsorge anhand unterschiedlicher Einsatzanlässe, wie etwa erfolglose Reanimationen, der Plötzliche Säuglingstod (SIDS), Verkehrsunfälle, Suizide oder die Überbringung von Todesnachrichten. In solchen Situationen werden Seelsorger*innen häufig mit intensiven Stressreaktionen, massiver Trauer, dem Bedürfnis nach Orientierung sowie dem Wunsch nach Halt konfrontiert. Ein weiterer Schwerpunkt des Kurses liegt in der Entwicklung der eigenen Ritualkompetenz. Gebete und Segenshandlungen für Hinterbliebene und Verstorbene werden im Kurs gemeinsam erarbeitet und eingeübt. Neben der Vermittlung theologischer Grundlagen der Notfallseelsorge wird auch die persönliche Motivation für dieses Engagement reflektiert.
  4. Hospitation: Im Anschluss an die theoretische Ausbildung folgt eine verpflichtende Hospitation bei der NFS Trier über einen Zeitraum von mindestens neun bis zwölf Monaten beziehungsweise bis eine ausreichende praktische Erfahrung erworben wurde. Während dieser Zeit begleiten die Hospitant*innen ausgebildete Notfallseelsorgende zu Einsätzen und lernen die praktische Arbeit der Notfallseelsorge unmittelbar kennen. Unter der Begleitung und Aufsicht erfahrener Notfallseelsorgender werden sie schrittweise immer stärker in die Begleitung von Menschen in Ausnahmesituationen eingebunden. Jeder Einsatz wird gemeinsam nachbesprochen, sodass die Hospitant*innen kontinuierliche Rückmeldungen sowie Anregungen zur Weiterentwicklung erhalten.

Damit erstreckt sich die vollständige Ausbildung einer Notfallseelsorgerin bzw. eines Notfallseelsorgers über einen Zeitraum von eineinhalb bis zwei Jahren. Sobald das Leitungsteam überzeugt ist, dass eine ausreichende praktische und theoretische Kompetenz entwickelt wurde, wird die neue Notfallseelsorgerin bzw. der neue Notfallseelsorger zur offiziellen Ernennung durch die Stadt Trier und den Landkreis Trier-Saarburg vorgeschlagen.